
Menschen mit Alkoholproblemen oder einer Abhängigkeit sehen sich oft mit Vorurteilen und negativen Reaktionen konfrontiert. Das kann dazu führen, dass Betroffene nicht über ihre Situation sprechen und erst spät Unterstützung suchen. Der Nationale Aktionstag Alkoholprobleme am 21. Mai 2026 rückt weitverbreitete Mythen über Alkoholabhängigkeit in den Fokus und setzt ein Zeichen für einen respektvollen und informierten Umgang mit betroffenen Menschen.
In der Schweiz weisen 16 % der Bevölkerung einen problematischen Alkoholkonsum auf, schätzungsweise 250.000 Personen sind alkoholabhängig. Oft wird Hilfe spät oder gar nicht gesucht – ein zentraler Grund dafür ist die Stigmatisierung. Befragungen legen nahe, dass die Mehrheit der Menschen mit Suchterkrankung davon betroffen ist.
Mythen fördern Stigmatisierung und erschweren Unterstützung
Vorurteile und Mythen über Alkoholprobleme und alkoholabhängige Menschen sind weit verbreitet. Sie prägen den gesellschaftlichen Umgang mit Betroffenen und können dazu führen, dass sich diese ausgegrenzt fühlen und aus Angst vor Ablehnung nicht über ihre Situation sprechen. Auch Angehörige sind oft verunsichert. Dabei wäre eine frühe Unterstützung wichtig.
Der Nationale Aktionstag Alkoholprobleme am 21. Mai 2026 rückt deshalb weitverbreitete Fehlvorstellungen in den Mittelpunkt und ruft dazu auf, zu verstehen statt zu verurteilen.
Viele denken, dass Betroffene selbst schuld sind
Abhängigkeit wird oft als individuelles Versagen betrachtet. Tatsächlich entstehen Abhängigkeitserkrankungen jedoch durch ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen: individuelle Faktoren wie genetische Veranlagung oder biografische Erfahrungen, Einflüsse aus dem sozialen Umfeld sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie die Verfügbarkeit und der Preis von Alkohol.
Eine Verhaltensänderung kann nur die betroffene Person selbst erreichen. Doch auch das Umfeld und die Gesellschaft tragen Verantwortung: Sie müssen die besten Voraussetzungen dafür schaffen. Schuldzuweisungen werden der Komplexität der Erkrankung nicht gerecht.
Viele denken, Betroffene seien willensschwach
Der Vorwurf mangelnder Willenskraft hält sich hartnäckig. Er greift jedoch zu kurz. Alkohol beeinflusst insbesondere das Belohnungssystem im Gehirn und kann langfristig Prozesse verändern, die für Motivation und Impulskontrolle wichtig sind. Das kann dazu führen, dass der Konsum nur schwer zu kontrollieren ist. Das Verlangen lässt sich daher nicht auf mangelnden Willen reduzieren. Der Vorwurf der Willensschwäche verstärkt Selbstzweifel und Scham. Er erschwert Gespräche und hält Menschen davon ab, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
»Verstehen statt verurteilen«
Beim Nationalen Aktionstag Alkoholprobleme 2026 werden verbreitete Mythen widerlegt. Es wird deutlich, dass Schuldzuschreibungen die Verantwortung einseitig auf die betroffene Person verschieben und das gesellschaftliche Umfeld zu wenig berücksichtigen.
Ein respektvoller, informierter Umgang mit Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit ist entscheidend, damit Gespräche entstehen und Unterstützung frühzeitig genutzt wird. Fachpersonen, Arbeitgeber*innen, Medien und die Gesellschaft insgesamt spielen dabei eine wichtige Rolle. Regionale Suchtfachstellen bieten Information, Beratung und Begleitung – vertraulich, niederschwellig und ohne Stigmatisierung. Sie unterstützen Betroffene und Angehörige auch bei Unsicherheiten oder ersten Fragen. Am Aktionstag machen sie mit vielfältigen Aktivitäten auf ihre Angebote aufmerksam.
Quelle: Medienmitteilung von Sucht Schweiz
