Eine Hand zieht vorsichtig einen Holzklotz aus einem hohen, instabilen Turm aus hellen Holzklötzen (ähnlich einem Jenga-Spiel), der bereits gefährlich schief steht und unten teilweise zusammengebrochen ist. Rechts im Bild steht in großer schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund der Text: 'NEIN zu den Budgetkürzungen im Suchtbereich'. Das Bild dient als Metapher dafür, dass finanzielle Kürzungen das Hilfssystem im Suchtbereich destabilisieren und zum Einsturz bringen könnten.

Die Petition »Nein zu den Budgetkürzungen im Suchtbereich« war erfolgreich! Die Petitionsführer Sucht Schweiz, Fachverband Sucht und GREA nehmen erfreut zur Kenntnis, dass sich der National- und der Ständerat für das Jahr 2026 auf Mehrausgaben für Gesundheitsschutz und Prävention in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Franken einigen konnten. 400.000 Franken davon sollen dem Suchtbereich zugutekommen. Damit wird die Hälfte der geplanten Kürzungen zurückgenommen.

Die drei Verbände bleiben dran und werden sich auch künftig vehement dafür einsetzen, dass Suchtprävention und Suchthilfe effektiv finanziert werden. Denn jede Kürzung führt zu Folgekosten, während jede Investition Leid und weitere Kosten erspart.

Die zunächst von Bundesrat und Parlament beschlossenen Sparmaßnahmen hätten zu massiven Kürzungen in der Suchthilfe und Suchtprävention geführt. Angesichts der zunehmenden Herausforderungen waren diese Entscheidungen unverantwortlich. Jeder Abbau im Suchtbereich hätte zu einer Verschärfung der Probleme und zu Kosten geführt, die die »Einsparungen« bei Weitem überstiegen hätten. Die Suchtfachorganisationen in der Schweiz hatten deshalb am 15. September eine Petition mit 9.152 Unterschriften gegen Kürzungen im Suchtbereich eingereicht. Die Zivilbevölkerung und viele Betroffene sprachen sich für eine starke Suchtprävention und ‑hilfe aus.

Schätzungsweise leben heute 250.000 Menschen in der Schweiz mit einer Alkoholabhängigkeit, mehrere hunderttausend mit einer Abhängigkeit von Zigaretten und anderen Nikotinprodukten und mehrere zehntausend konsumieren täglich illegale Drogen. Der Konsum von Substanzen verursacht in der Schweiz jährlich mehr als 11.000 vermeidbare Todesfälle. Rund 300.000 Personen haben Probleme aufgrund des Glücksspiels. Suchtkrankheiten verursachen einen volkswirtschaftlichen und sozialen Schaden von rund acht Milliarden Franken pro Jahr.

Ausgabensenkung bedeutet Kostensteigerung

Nachweislich reduzieren Prävention und Suchthilfe Leid und Kosten: Laut einer Studie spart jeder in die Prävention investierte Franken im Alkoholbereich 23 Franken an indirekten Kosten, im Tabakbereich sogar 41 Franken (Jeanrenaud, 2010). Trotzdem wurde beschlossen, ein Viertel des Budgets in den Bereichen Sucht und nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) zu streichen. Auch für die kommenden Jahre sind weitere Kürzungen zu erwarten. Zudem sollen Präventionsprojekte von Fachorganisationen, die vom Bund subventioniert werden, in den meisten Fällen nur noch zur Hälfte finanziert werden. Mangels Finanzierungsalternativen könnte dies das Aus für viele erfolgreiche Projekte wie den »Dry January« oder den Aktionstag Alkohol bedeuten. Dies wird unweigerlich zu mehr Suchtproblemen, mehr Leid bei Betroffenen und ihren Angehörigen sowie zu höheren volkswirtschaftlichen Kosten führen. Die Kosten werden die gekürzte Summe um ein Vielfaches übersteigen.

Auch das Monitoring soll aufgrund der Kürzungen stark reduziert und im Bereich des Geld- und Glücksspiels sogar komplett eingestellt werden. Dadurch fehlen im Suchtbereich wichtige Informationen über das Ausmaß der Probleme und das Auftreten neuer Suchtphänomene. Suchtprävention und Suchthilfe werden so zu einem Blindflug, was ihre Möglichkeiten weiter einschränkt und die Schweiz eines Warnsystems für neue Entwicklungen beraubt.

Crack-Krise, Fentanyl-Bedrohung und weitere Herausforderungen

Generell verschlechtert sich die psychische Gesundheit von Jugendlichen. Die Konsumprävalenzen stagnieren oder steigen je nach Substanz und Alter sogar an. Zudem kommen ständig neue legale und illegale Produkte auf den Markt. Auch bei den Verhaltenssüchten zeigt sich eine zunehmende Problemlast, die durch digitale Anwendungen verstärkt wird. Diese werden zunehmend so konzipiert, dass ein möglichst großes Abhängigkeitspotenzial entsteht.

Darüber hinaus sehen sich die Städte und Suchtfachleute mit der Crack-Krise konfrontiert – einer Herausforderung, wie sie seit dreißig Jahren nicht mehr dagewesen ist. Hinzu kommt die mögliche Bedrohung der Schweiz durch synthetische Opioide wie Fentanyl. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, ist eine vorausschauende Suchtstrategie erforderlich – ebenso wie die entsprechenden finanziellen Mittel. Kürzungen in diesem Bereich würden bedeuten, die Kontrolle zu verlieren und die Folgen auf die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft abzuwälzen.

Um die aktuellen Herausforderungen anzugehen, sind eine strategische Vision und eine suchtpolitische Zielsetzung des Bundes erforderlich. In den 1990er Jahren, als die Schweiz eine schwere Krise im Zusammenhang mit dem Heroinkonsum durchlebte, haben sich der Bundesrat und die Verwaltung engagiert. Gemeinsam mit den Fachpersonen vor Ort, den Forschenden sowie den Kantonen und Städten suchten sie nach Lösungen. Durch diese koordinierte Herangehensweise konnte die Vier-Säulen-Politik entstehen und die Krise wurde bewältigt.

Petition stieß auf breiten Zuspruch

Mit fast 10.000 Unterschriften aus der Zivilgesellschaft – darunter viele Betroffene – machte die Petition die Dringlichkeit des Anliegens deutlich. Es ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um im Bereich der Suchthilfe und ‑prävention Kürzungen vorzunehmen. Im Gegenteil: Die Schweiz braucht eine Stärkung der Nationalen Strategie Sucht und eine Erhöhung der Mittel, die für die Suchtbekämpfung und die Unterstützung der Betroffenen eingesetzt werden. Nur so können weiteres Leid und noch größere Kosten verhindert werden.

NEIN zu gefährlichen Kürzungen in der Suchthilfe und ‑prävention!

Stürzender Turm aus Holzklötzen, aus dessen mittlerem Bereich einen tragenden Stein entfernt. Dazu der Text: NEIN zu den Budgetkürzungen im Suchtbereich.

Ob Alkohol, Nikotin, illegale Drogen, Geldspiel oder digitale Medien: Hunderttausende von Schweizer:innen kämpfen mit Suchtproblemen. Trotzdem muss das Bundesamt für Gesundheit im Suchtbereich ein Viertel der Gelder einsparen. Dies geht zulasten der Betroffenen und deren Angehörigen und verursacht massive Mehrkosten.