
Pläne für Beschränkungen der Alkoholwerbung wurden von der britischen Regierung fallen gelassen, nachdem Unternehmen wie Budweiser, Greene King und Heineken davor gewarnt hatten, dass diese der Wirtschaft schaden würden.
Die Labour-Partei hatte strengere Regulierungen für Werbung in Betracht gezogen, darunter eine Sperrstunde für Fernsehwerbung ab 21 Uhr, als Teil ihres im letzten Sommer veröffentlichten 10-Jahres-Gesundheitsplans.

Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOI) durch das Institute of Alcohol Studies (IAS) zeigen jedoch, dass diese Vorschläge kurz nachdem die Getränkeindustrie Warnbriefe an Minister*innen und Behördenvertreter*innen verschickt hatte, wieder verworfen wurden.
In einem Schreiben der Brauerei- und Pubkette Greene King an den Minister für Gesundheit und Soziales Wes Streeting hieß es, die Beschränkungen würden »verheerende Auswirkungen« auf die Branche haben.
Auch Heineken warnte Streeting in einem Schreiben, dass die Pläne »das Wachstum und Investitionen behindern« und »weitreichende Störungen« in der gesamten Branche verursachen würden. Budweiser erklärte Streeting, dass Werbebeschränkungen »unnötige Regulierungen« schaffen und »Auswirkungen auf Investitionen« haben würden, während ein Schreiben des Whiskyherstellers Chivas Brothers »verheerende Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum« prognostizierte.
Auch Finanzministerin Rachel Reeves erhielt eine Mitteilung von Budweiser, in der sie aufgefordert wurde, »unverzüglich« beim Ministerium für Gesundheit und Soziales (DHSC) vorstellig zu werden, um »sicherzustellen, dass diese Beschränkungen nicht durchgesetzt werden«.
Die Antworten auf die Informationsfreiheitsanfragen zeigen, dass mindestens 18 Briefe von Alkoholherstellern und Handelsverbänden, darunter die British Beer and Pub Association, Diageo, die Portman Group und die Scotch Whisky Association, kurz vor der Veröffentlichung des 10-Jahres-Gesundheitsplans am 3. Juli 2025 verschickt wurden. Briefe wurden auch an das Ministerium für Wirtschaft und Handel sowie an das Ministerium für Kultur, Medien und Sport geschickt.
Der 10-Jahres-Gesundheitsplan erwähnt keine Beschränkungen für Alkoholwerbung, obwohl er davor warnt, dass alkoholbedingte Schäden allein in England jährlich Kosten in Höhe von 27,4 Milliarden Pfund für die Gesellschaft verursachen. Stattdessen verspricht er die Einführung »neuer Standards« für die Kennzeichnung von Alkohol und die »Förderung des weiteren Wachstums« des Marktes für alkoholfreie und alkoholarme Getränke.
In seiner Antwort erklärte das Gesundheitsministerium, es sei »kategorisch falsch«, dass der Plan aufgrund von Lobbyarbeit geändert worden sei.
Katherine Severi, Geschäftsführerin des IAS, dessen Ziel es ist, eine fundierte Debatte über die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesellschaft zu fördern, erklärte gegenüber The BMJ:
Hinter den Kulissen scheint es einen guten Zugang zu Minister*innen und Ministerien außerhalb des Gesundheitsministeriums zu geben. Als der Alkoholindustrie die Vorschläge des Gesundheitsministers nicht gefielen, versuchte sie hinter seinem Rücken, die Finanzministerin und den Wirtschaftsminister dazu zu bewegen, sich für sie einzusetzen und die Vorschläge zu blockieren.«
Jeff Collin, Professor für globale Gesundheitspolitik an der Universität Edinburgh, fügte hinzu: »Es ist klar, dass die Alkoholindustrie mit diesem Verfahren ihr Ziel erreicht hat. Die Folgen dürften ziemlich gravierend sein.«
Es ist der kommerzielle Faktor, der unsere Gesundheit am stärksten beeinflusst und unser Leben und unsere Gemeinschaften am meisten beeinträchtigt – und den die aufeinanderfolgenden Regierungen vernachlässigt haben.«
May van Schalkwyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Edinburgh, erklärte gegenüber The BMJ: »Alkohol ist eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität. Wir brauchen eindeutig mehr Regulierung.«
Am schockierendsten ist die Art und Weise, wie die Alkoholindustrie die Evidenzbasis für wirksame Maßnahmen zur Schadensprävention verzerrt.«
Die Akteur*innen der Alkoholindustrie haben ihre Vorgehensweise vermutlich koordiniert. Das Vorliegen gemeinsamer Briefe, der Zeitpunkt der Korrespondenz sowie die auffälligen Ähnlichkeiten im Inhalt der Briefe deuten allesamt auf eine koordinierte Kampagne hin.
In der Korrespondenz der Alkoholindustrie wurden eine Reihe bekannter Argumente und rhetorischer Strategien verwendet, die auch von Alkoholkonzernen, Tabak- und Lebensmittel- beziehungsweise Getränkeherstellern sowie Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie genutzt werden. Dazu gehörten:
- die selektive Auswahl von Daten zu Trends bei alkoholbedingten Schäden und zur Evidenzbasis für Beschränkungen,
- die Behauptung, dass Selbstregulierung wirksam sei (entgegen den vorliegenden Beweisen),
- katastrophale wirtschaftliche Behauptungen,
- die Behauptung, dass die Alkoholindustrie ein geeigneter Partner bei der Schadensminderung sei (obwohl vorliegende Beweise das Gegenteil belegen) und
- die Behauptung, dass Werbung den Alkoholkonsum nicht steigere und der Gesellschaft zugutekomme (entgegen den vorliegenden Beweisen).
Die verwendeten Argumente werden im vollständigen Bericht dargelegt, mit maßgeblichen Quellen verglichen und als irreführend bewertet. Zusammenfassung der wichtigsten Argumente und Beispielzitate:
Portman Group in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium
Budweiser in Briefen an die Ministerien für Wirtschaft, Gesundheit und Finanzen
BBPA in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium
BBPA und Heineken in Briefen an das Gesundheitsministerium
Im April letzten Jahres ergab eine in Lancet Public Health veröffentlichte Studie, dass die alkoholbedingten Todesfälle in England während der Pandemie um 13,5 % gestiegen waren, was die Hauptautor*innen als »akute Krise« bezeichneten.
Eine aktuelle Analyse der Daten des Amtes für nationale Statistik durch das IAS ergab, dass die Sterblichkeit aufgrund alkoholbedingter Ursachen zwischen 2023 und 2024 zurückgegangen ist, jedoch weiterhin über dem Niveau von 2019 liegt.
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums erklärte: »Es ist absolut falsch, dass irgendwelche politischen Inhalte unseres 10-Jahres-Gesundheitsplans durch Lobbyarbeit geändert wurden. Wir arbeiten mit Partnern aus der Industrie zusammen, und diese Anschuldigungen basieren auf einer durchgesickerten, unvollständigen Version unseres Gesundheitsplans und sind daher unbegründet. Die Regierung ist sich der Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums bewusst und hat im Gesundheitsplan wichtige Maßnahmen vorgesehen, um die Menschen dabei zu unterstützen, gesündere Entscheidungen zu treffen.«
Ein Sprecher von Heineken UK erklärte: »Heineken UK unterliegt bereits einem der strengsten Regulierungssysteme im Vereinigten Königreich. Wie alle anderen Unternehmen der Branche hält sich auch Heineken UK an strenge Vorschriften für die Vermarktung und Werbung für Alkohol, die von der Advertising Standards Authority und der Portman Group streng reguliert werden.«
Alkoholpolitik 2025 in Großbritannien: Ein Jahresrückblick

Manche Menschen mögen Alkoholpolitik für langweilig halten. Aber nach einem Jahr voller politischer Indiskretionen und Meinungsumschwünge, Einmischungen und Täuschungen seitens der Industrie und natürlich herausragender Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist es ein Rätsel, wie jemand dies als langweilig empfinden kann.
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Der schmutzige Weg der Alkoholindustrie – von der Verbreitung von Fehlinformationen bis hin zu Schäden

Diese neue Studie gibt einen Überblick über die Taktiken der Alkoholindustrie, mit denen sie die Politik beeinflusst und die öffentliche Debatte verzerrt. Das Gewinnmodell der Alkoholindustrie hängt stark davon ab, dass sie ihren Kunden Schaden zufügt. Ihre falschen Aufklärungsmaterialien, Kampagnen für »moderaten« Alkoholkonsum und Wohltätigkeitsorganisationen unterstützen dies.
Die Alkoholindustrie hat natürlich keinerlei Kompetenz in Bereichen der öffentlichen Gesundheit oder Bildung. Die Beteiligung der Alkoholindustrie (sowohl der Alkoholkonzerne als auch der von ihnen finanzierten Einrichtungen) an der Festlegung gesundheitspolitischer Agenden oder an Aktivitäten zur Gesundheitsförderung muss als unethisch und schädlich anerkannt werden.
Quelle: EUCAM
Übersetzt mit www.DeepL.com
