Text: 'Mama trinkt, Papa trinkt. 16. - 22. März 2026. Nationale Aktionswoche für Kinder von Eltern mit Suchterkrankung.' Rechts daneben eine hellblaue Silhouette einer erwachsenen Person, die mit zwei kleinen Kindern an der Hand in einen Lichtkegel geht. Unten rechts das Logo von Sucht Schweiz.

Schätzungsweise 100.000 Kinder in der Schweiz wachsen in einem von Alkohol oder anderen Suchtmitteln schwer belasteten Elternhaus auf. Die diesjährige Nationale Aktionswoche, die von Sucht Schweiz koordiniert wird, findet vom 16. bis zum 22. März statt. In 15 Kantonen führen zahlreiche Organisationen 38 Aktionen durch.

In diesem Jahr liegt der Fokus auch auf einer besseren Unterstützung der Eltern. Die neue Internetseite »Elternschaft und Sucht« bietet hierzu insbesondere Fachleuten Informationen, die die Tipps und Handlungsperspektiven für Eltern und ihr Umfeld ergänzen.

Kinder suchtkranker Eltern leben oft in sehr belastenden oder gar bedrohlichen Situationen. Sie tragen die Last von Angst, Scham, Schuldgefühlen und Unsicherheit oft ganz allein, da sie nicht schlecht über ihre Eltern reden wollen. Betroffene Kinder fallen nicht stark auf und offenbaren ihre schwierige Situation nur in seltenen Fällen. Hier muss das Tabu gebrochen werden, damit diese Kinder die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Das Kind soll geschützt werden. Vertraut es sich Ihnen an, betrachten Sie dies als Geschenk, nicht als Belastung … Erkennen Sie ein kindliches Leiden, ein Flehen, ein wortloses Signal. Hören Sie hin. Setzen Sie sich damit auseinander, auch auf die Gefahr hin, dass gar nichts ist.«
Marc (Pseudonym) ist bei Eltern aufgewachsen, die eine Suchterkrankung hatten
Titelseite 'Kinder von Eltern mit Suchterkrankung: Was kann das Umfeld tun?'

Während der zum achten Mal durchgeführten »Nationalen Aktionswoche für Kinder von Eltern mit Suchterkrankung« erhalten diese Kinder eine Stimme, indem zahlreiche Organisationen öffentlichkeitswirksame Aktivitäten anbieten und auch einige heute erwachsene Betroffene über ihr Erlebtes berichten. Diese Aktivitäten sollen die Bevölkerung dazu ermutigen, die Augen offenhalten und dazu beizutragen, dass betroffene Kinder Halt und Unterstützung finden.

Die Broschüre »Was kann das Umfeld tun?« zeigt, wie man mit betroffenen Eltern und Kindern das Gespräch sucht und für betroffene Kinder da ist. Gleichzeitig werden die Instanzen vorgestellt, die im Notfall helfen.

Näher hinsehen und die Hand reichen – auch den betroffenen Eltern

Neben den zahlreichen Aktivitäten bietet die Website des nationalen Programms »PAPA TRINKT. MAMA TRINKT.« zahlreiche vertiefende Hintergrundinformationen zur Situation dieser Kinder und ihrer Eltern sowie zu möglichen Hilfen. Hier ist auch Informationsmaterial wie Broschüren für Fachleute, Betroffene und deren Umfeld zu finden.

In diesem Jahr neu ist die Internetseite »Elternschaft und Sucht« für Fachleute. Sie vermittelt ihnen die nötigen Kompetenzen, wenn sie mit suchtkranken Eltern zu tun haben. Wie sieht die Familiendynamik aus? Welche Herausforderungen bestehen für die Eltern und für die Kinder? Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es, damit es der ganzen Familie besser geht?

Diese Internetseite ergänzt die bereits vorhandenen Informationen und zeigt betroffenen Eltern (und ihren Partner*innen), wo sie Unterstützung bei Fragen und Überlegungen zu ihrer Elternrolle finden. Wichtig ist, dass betroffene Eltern wissen, wie sie mit dem Kind sprechen und ihm trotz der Schwierigkeiten Halt geben können. Gleichzeitig wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten sie haben, um sich selbst zu helfen und Hilfe zu holen. Denn viele suchtkranke Eltern haben Angst davor, Hilfe zu suchen, da sie befürchten, dass ihre Kinder ihnen weggenommen werden könnten. Der Entzug der Obhut ist die letzte Maßnahme, die Behörden ergreifen, und sie wird nur selten eingesetzt. Meistens werden Familienhilfen eingesetzt. All diese Informationen geben auch dem Umfeld wichtige Ansätze für ein Gespräch und die Unterstützung. Davon profitiert letztendlich die ganze Familie.

Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene

Die Nationale Aktionswoche ist Teil einer internationalen Bewegung. Verschiedene Länder, darunter Deutschland, Finnland, Slowenien, die USA, Südkorea und Indien, führen seit mehreren Jahren eine solche Aktionswoche durch. In der Schweiz beteiligen sich zahlreiche Organisationen und führen in 15 Kantonen sowie online insgesamt 37 öffentlichkeitswirksame Aktivitäten durch. Eine Liste der Aktivitäten und der Organisatoren findet sich hier. Die lokalen Organisatoren geben den Medien auf Anfrage gerne auch ihre Erfahrungen weiter. Zudem stellen ehemalige Betroffene ihre Berichte zur Verfügung.

Die Aktionswoche wird im Übrigen durch verschiedene Persönlichkeiten wie den Komiker Renato Kaiser, den Streetartkünstler Bane, den Rapper und Schriftsteller Gian-Marco »Gimma« Schmid unterstützt.

Wir werden sichtbar

Junge mit grauem Hoodie blickt seitlich in die Kamera; daneben Schriftzug 'WIR WERDEN SICHTBAR!' sowie Informationen zur Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien vom 22. bis 28. Februar 2026.

#WirWerdenSichtbar – das ist das Motto und der Hashtag der 17. bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien, die vom 22. bis 28. Februar 2026 stattfindet.

Jedes fünfte bis sechste Kind in Deutschland wächst mit einem suchtkranken Elternteil auf. Viele von ihnen erleben Vernachlässigung und Gewalt und leiden oft ein Leben lang unter diesen Erfahrungen.

Kindheit eine Chance geben: Warum die Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien 2026 so wichtig ist

Mutter und Tochter sitzen sich auf einem grauen Sofa gegenüber, halten sich an den Händen und lächeln sich in einem hellen Wohnzimmer an.

Die Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien 2026 beleuchtet eine globale Realität, die Millionen von Kindern betrifft: Das Aufwachsen in Haushalten, die von problematischem Alkoholkonsum betroffen sind, wirkt sich auf Gesundheit, Sicherheit, Bildung und Lebenschancen aus. Es gibt Belege dafür, dass alkoholbedingte Schäden bei Kindern von der Schwangerschaft bis zum Jugendalter reichen, Gewalt und Ungleichheit begünstigen und politische Entscheidungen von Erwachsenen widerspiegeln, die das familiäre Umfeld prägen.

Kindern eine Chance zu geben bedeutet, eine präventionsorientierte Alkoholpolitik voranzutreiben, die Rechte der Kinder zu schützen und die sicheren, unterstützenden Bedingungen zu schaffen, die jedes Kind braucht, um sich entfalten zu können.

Quelle: Medienmitteilung Sucht Schweiz