Frau in weißem Oberteil hält eine rosa Schleife als Symbol für die Brustkrebsvorsorge in den Händen.

Alkohol ist ein bedeutender vermeidbarer Risikofaktor für Krebs. Dennoch ist der potenzielle krebspräventive Einfluss von bevölkerungsweiten Maßnahmen zur Alkoholkontrolle bislang nicht quantifiziert worden; die vorliegende Studie liefert die ersten entsprechenden Schätzungen für die Europäische Union (EU).

Titel: Quantifying the potential of alcohol policies for cancer prevention in the EU: a modelling study

Autor*innen: Daniela Correia, Maria Neufeld, Carina Ferreira-Borges, Beatrice Lauby-Secretan, Harriet Rumgay, Isabelle Soerjomataram, Elisabete Weiderpass, Kevin Shielde, Ahmed S. Hassane, Jürgen Rehm

Zitierung: Correia D, Neufeld M, Ferreira-Borges C et al., Quantifying the potential of alcohol policies for cancer prevention in the EU: a modelling study, The Lancet Regional Health – Europe, 2026; 67, DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101734

Quelle: The Lancet Regional Health – Europe

Datum der Veröffentlichung: 18. Juni 2026

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Zusammenfassung

Methoden

Die Forscher*innen führten eine länderübergreifende Modellierungsanalyse in den 27 EU-Staaten durch, um Veränderungen des Alkoholkonsums und der alkoholbedingten Krebsinzidenz abzuschätzen. Es wurden vier politische Szenarien untersucht, basierend auf realen Studien aus einkommensstarken Volkswirtschaften, die im Handbuch der International Agency for Research on Cancer zur Krebsprävention (Band 20B) ausgewertet wurden:

  • eine Erhöhung der Alkoholverbrauchsteuern,
  • ein Sonntagsverkaufsverbot für Alkohol,
  • ein nationales Verbot von Alkoholwerbung sowie
  • eine integrierte Alkoholpolitik, wie sie in einem EU-Land umgesetzt wurde.

Relative Veränderungen im registrierten Alkoholkonsum wurden auf Konsumdaten aus dem Jahr 2012 angewandt, um die Krebsinzidenz im Jahr 2022 zu schätzen, wobei eine Latenzzeit von zehn Jahren angenommen wurde. Alkoholbedingte Anteile wurden für sieben kausal zusammenhängende Krebsarten nach Land, Geschlecht und Alter berechnet, wobei Unsicherheiten mittels einer Monte-Carlo-ähnlichen Simulation quantifiziert wurden.

Ergebnisse

Im Jahr 2022 waren in der EU schätzungsweise 146.194 Krebsfälle (16,1 % aller Fälle der sieben kausal zusammenhängenden Krebsarten) auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Alle untersuchten politischen Szenarien hätten die Krebsinzidenz in der EU reduziert.

  • Das integrierte Politik-Szenario würde 9.220 Fälle verhindern (95 %-UI: 8.568–9.833), entsprechend 6,5 % der alkoholbedingten Fälle.
  • Eine Steuererhöhung würde 8.387 Fälle verhindern (95 %-UI: 7.954–8.862; 5,9 %),
  • ein Sonntagsverkaufsverbot 5.491 Fälle (95 %-UI: 5.365–5.618; 3,8 %) und
  • ein Werbeverbot 6.434 Fälle (95 %-UI: 5.899–6.973; 4,5 %).

Die größten geschätzten absoluten Rückgänge betrafen Brustkrebs bei Frauen und Speiseröhrenkrebs.

Interpretation

Die Umsetzung der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen alkoholpolitischen Maßnahmen könnte Tausende von Krebsfällen in der EU verhindern. Bevölkerungsweite Maßnahmen zur Alkoholkontrolle stellen ein bislang zu wenig genutztes Instrument der Krebsprävention dar und sollten in die EU-weiten und nationalen Strategien zur Krebsbekämpfung integriert werden.

Finanzierung

EU4Health-Programm (SANTE/2022/SI2.883729); Französisches Nationales Krebsinstitut (INCa_19160).

Bessere Krebsprävention durch gesündere Lebensverhältnisse

Eine lächelnde junge Frau vor pinkem Hintergrund hält ein großes Megafon in der Hand und zeigt mit dem Finger nach rechts. Sie trägt ein pinkes Top, an dem eine rosa Schleife (Pink Ribbon) als Symbol für Brustkrebsbewusstsein befestigt ist.

Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) legen die Ergebnisse des ersten Nationalen Krebspräventionsgipfels vor. Es werden fünf Handlungsempfehlungen an die Politik gegeben, wie die Krebsprävention in Deutschland wirksam gestärkt werden kann. Denn 40 Prozent der jährlich rund 500.000 Krebsneuerkrankungen wären durch Primärprävention vermeidbar.

Krebsprävention in Europa

Titelseite des OECD-EU-Berichts 'Beating Cancer Inequalities in the EU' neben einer grünen Krebsschleife.

Im Zuge der weltweiten Umwälzungen durch die COVID-19-Pandemie rücken seit langem bestehende Gesundheitsbedrohungen wieder in den Vordergrund der gesundheitspolitischen Agenda. An erster Stelle – und seit langem als größte Bedrohung angesehen – steht Krebs, der bis 2035 die häufigste Todesursache in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), Norwegen und Island (EU+2) sein wird. Krebs hat heute viele Ursachen.

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Quelle: The Lancet Regional Health – Europe

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