
Das Klischee des drogenkranken Wohnungslosen ist weit verbreitet. Eine neue Studie des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt jedoch, dass überdurchschnittlich viele Obdach- oder Wohnungslose abstinent leben.
Titel: Polysubstance Use Among the Homeless In Germany
Autor*innen: Fabian Heinrich, Jakob Manthey, Birgit Wulff, Franziska Stallbaum, Katharina Dost, Wiebke Graf, Veronika Kowalski, Anna Brennecke, André Hajek, Hans-Helmut König, Klaus Püschel, Benjamin Ondruschka, Stefanie Iwersen-Bergmann
Zitierung: Heinrich F, Manthey J, Wulff B, Stallbaum F, Dost K, Graf W, Kowalski V, Brennecke A, Hajek A, König HH, Püschel K, Ondruschka B, Iwersen-Bergmann S: Polysubstance use among the homeless in Germany: A nationwide, cross-sectional multicenter study. Dtsch Arztebl Int 2025; 122: 597–603. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0132
Quelle: Deutsches Ärzteblatt
Datum der Veröffentlichung: 3. November 2025
Querschnittsstudie zum Polysubstanzkonsum von wohnungslosen Menschen in Deutschland
In einer bundesweiten Querschnittsstudie haben Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) den Substanzkonsum wohnungsloser Menschen in Deutschland mittels eines umfangreichen Drogenscreenings (LC/MS-MS) untersucht. Dabei stellten die Forschenden eine Tripartition der Kohorte fest: Rund 35 Prozent der untersuchten Personen hatten in den vergangenen 24 bis 48 Stunden keine Substanzen konsumiert, rund ein Drittel hatte eine Substanzgruppe konsumiert und etwa 34 Prozent hatten gleich mehrere Substanzen unterschiedlicher Substanzgruppen eingenommen. Am weitesten verbreitet waren in absteigender Reihenfolge Alkohol, Stimulanzien des zentralen Nervensystems (unter anderem Amphetamine, Kokain und Ecstasy), Cannabis sowie narkotische Analgetika (zum Beispiel Heroin, Morphin, Methadon und Fentanyl). Vor allem junge, wohnungslose Menschen, die rauchten und bereits straffällig geworden waren, nahmen demnach mehrere Substanzen parallel ein.
Für die Studie befragten die Forschenden im Jahr 2021 rund 670 wohnungslose Menschen im Großraum Hamburg, Leipzig, Frankfurt am Main und München. Die Befragten hatten außerdem Blutproben in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe abgegeben. Die Wissenschaftler*innen haben ihre Ergebnisse jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.
