
Karte KI-generiert
Politiker*innen bestechen. Die Alkoholpolitik der Regierungen selbst bestimmen. Kinder mit billigen Einwegbeuteln und Miniflaschen ansprechen. Wanderarbeiter*innen unter Bedingungen ausbeuten, die als moderne Sklaverei bezeichnet werden. Das ist die Alkoholindustrie im Globalen Süden.
Während die Märkte in den wohlhabenderen Ländern stagnieren, investieren Giganten wie Diageo, AB InBev und Heineken Milliarden in Afrika, Asien und Lateinamerika – und erzielen dabei enorme Gewinne, während sie Sucht, geschlechtsspezifische Gewalt und vermeidbare Todesfälle hinterlassen. Über 95 % des Wertes der großen Alkoholkonzerne liegen in Europa und den USA. Das Geld fließt ab. Der Schaden bleibt.
Am 16. März 2026 veröffentlichte das Institute of Alcohol Studies den neuen Film »Big Alcohol in the Global South: Explained«, der das Verhalten der Alkoholindustrie im Globalen Süden in den Fokus rückt. Das Video argumentiert, dass große multinationale Unternehmen ihren Fokus auf Afrika, Asien und Lateinamerika verlagert haben, da die Alkoholmärkte in wohlhabenderen Ländern gesättigt und strenger reguliert sind.
Dem Film zufolge geht es bei dieser Expansion nicht nur darum, mehr Produkte zu verkaufen. Es geht darum, neue Märkte an Orten mit jüngerer Bevölkerung, steigenden Einkommen und schwächerer Regulierung zu erschließen, während die gesundheitlichen und sozialen Schäden in den Ländern verbleiben, in denen der Alkohol verkauft wird.
Eine zentrale Botschaft des Films ist, dass diese Offensive der Alkoholindustrie mit zunehmenden alkoholbedingten Schäden einherging. Er hebt hervor, dass in vielen Ländern des Globalen Südens zwar weniger Menschen Alkohol trinken als im Westen, diejenigen jedoch oft stärker konsumieren. Der Film verweist auf den steigenden Konsum und die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen in Ländern wie Indien, Vietnam und den Philippinen. Er beschreibt, wie alkoholbedingte Schäden in einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen oft mit nichtübertragbaren Krankheiten, aber auch mit Infektionskrankheiten, geschlechtsspezifischer sowie zwischenmenschlicher Gewalt zusammenhängen. Zudem wird betont, dass starker Alkoholkonsum bereits bestehende Probleme im Bereich der öffentlichen Gesundheit und im sozialen Bereich in gefährdeten Gemeinschaften verschärfen kann.
Der Film beleuchtet die Methoden, mit denen große Alkoholkonzerne ihre Märkte ausbauen. Dazu gehören aggressives Marketing, das sich an junge Menschen und Frauen richtet, günstige Einstiegsprodukte, Miniflaschen und Einzelportionsbeutel, Werbung durch Influencer*innen, Social-Media-Kampagnen sowie die Nutzung kultureller Symbole, des Sports und der nationalen Identität, um den Alkoholkonsum zu normalisieren. Zudem werden ernsthafte Bedenken hinsichtlich politischer Einflussnahme geäußert. So wird den Alkoholkonzernen vorgeworfen, bei der Ausarbeitung von Gesetzesentwürfen mitgewirkt, die Zivilgesellschaft ausgeschlossen, sich gegen strengere Gesetze eingesetzt und in einigen Fällen Beamte bestochen zu haben. Der Film stellt die Alkoholindustrie somit nicht als passiven Marktakteur dar, sondern als aktive Kraft, die Regulierung, öffentliche Diskurse und Konsumgewohnheiten in ihrem eigenen Interesse mitgestaltet.
Ein weiteres zentrales Thema des Videos ist die Ungleichheit. Es wird dargelegt, dass globale Alkoholkonzerne zwar enorme Gewinne aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen erzielen, die Last der Schäden jedoch vor Ort verbleibt. Der Film bringt dieses Muster mit kolonialen Hinterlassenschaften in Verbindung und beschreibt es als eine Form des Neokolonialismus, bei dem der Reichtum nach Norden fließt, während die sozialen und gesundheitlichen Kosten im Süden verbleiben.
Gleichzeitig endet das Video nicht in Resignation. Es hebt den Widerstand der Zivilgesellschaft hervor, darunter Koalitionen in Ländern wie den Philippinen und Südafrika, und zeigt, dass organisierter öffentlicher Druck den Einfluss der Industrie in Frage stellen kann. Seine abschließende Botschaft ist klar: Das Volk wehrt sich bereits, doch nun müssen die Regierungen denselben Mut zeigen und zum Schutz von Gesundheit, Menschenrechten und Würde handeln.
