Kersten Artus

»Alkohol ist eine Alltagsdroge und erfüllt zudem im sozialen Miteinander als auch in der individuellen Alltagsbewältigung zahlreiche Funktionen – ob uns das nun gefällt oder nicht. Die immensen gesundheitlichen Folgen von Alkohol – u.a. Krebs im Mundraum, Rachen, Speiseröhre und Magen, geistige Behinderung des Babys durch Alkohol in der Schwangerschaft, vorzeitige Demenz – können nur dann wirksam bekämpft werden, wenn sich die Menschen der Vergiftungsgefahren des Alkohols wirklich bewusst sind. Wer Drogen in legal und illegal unterteilt, signalisiert, dass Alkohol ungefährlich sei. Wirksamer Schutz vor Missbrauch muss daher mit einer neuen gesellschaftlichen Debatte einhergehen, die den Missbrauch aller Konsum- und Rauschmittel endlich aus dem Strafrecht in die Gesundheitspolitik verlegt. «

Kersten Artus, Hamburg
Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft von 2011 bis 2015

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Broschüre "Die sieben Schlüsselbotschaften der Alkoholindustrie" vor gestapelten Bierfässern

Wann immer von »Alkoholmissbrauch« oder »verantwortungsvollem Alkoholkonsum« die Rede ist, hat die Alkoholindustrie den Text verfasst – entweder unmittelbar oder über ihre zahlreichen Lobbygruppen – und diese sind nicht allein die Zusammenschlüsse der Produzenten, sondern umfassen auch all jene, die vom Alkoholhandel profitieren: von der Gastronomie, Kulturstätten, Sportverbänden bis hin zu den Medien.

Damit richtet die Branche erfolgreich den Scheinwerfer auf die Konsument:innen und weg von der Schädlichkeit ihrer Produkte. Menschen, die gesundheitliche Probleme durch ihren Alkoholkonsum bekommen, sind nach dieser Lesart entweder ahnungs- oder verantwortungslos – also selbst schuld.

Sogenannte Aufklärungskampagnen, die sich diesem Sprachgebrauch folgend beispielsweise »Kenn dein Limit« nennen, bleiben dann auch für die Alkoholindustrie erfreulich wirkungslos: Wer feiern und das Leben mit Freund:innen genießen will und daran glaubt, dass dies mit Alkohol zusammengehöre, der will bei solchen Momenten ja gar keine Grenzen spüren müssen.

Letztlich ist es eine einfache Rechnung: Die Profite der Alkoholindustrie steigen, wenn mehr Menschen mehr Alkohol trinken. Deshalb gehört es zu ihrer Strategie, den Eindruck zu erwecken, dass alle Alkohol mögen, dass Alkohol herrlich, harmlos und alltäglich sei.

Online-Redaktionen, die zum Thema »Alkohol« berichten, wählen zur Illustration durchweg Bilder, die Alkohol positiv darstellen – selbst wenn es in den Artikeln um dessen gesundheitlichen oder sozialen Folgeschäden geht.

Sich durch Alkohol besser zu fühlen ist vor allem ein soziales Konstrukt und hängt sehr von den persönlichen Umständen und Erwartungen ab.

Wir zeigen mit unserer Broschüre, dass Alkohol-, Tabak- und Pharmaunternehmen ähnliche Interessen verfolgen und vergleichbare Strategien und Argumente einsetzen, um ihre Produkte gegen staatliche Interventionen zu verteidigen.

Titelbild "Die sieben Schlüsselbotschaften der Alkoholindustrie"

EUCAM – die Europäische Beobachtungsstelle für Alkoholmarketing – benennt die sieben wichtigsten dieser Argumente und widerlegt sie mit Fakten. Die Arbeitsgruppe »Alkoholpolitik« der Guttempler in Deutschland e. V. hat die zweite Auflage der englischsprachigen Broschüre nun ins Deutsche übersetzt. Wenn Sie den irreführenden Botschaften der Alkoholindustrie etwas entgegensetzen wollen, dann sollten Sie sie lesen!

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