
Eine starke Partner-Allianz aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft fordert die Stärkung der Prävention und Public Health in Deutschland. Die Kernbotschaft: Die Bundesregierung muss Prävention und Public Health endlich zur tragenden Säule der Gesundheitspolitik machen. Gesundheit muss in allen Politikbereichen mitgedacht und evidenzbasiert gestaltet werden. Jetzt ist politisches Handeln gefragt: wissenschaftlich fundiert, systematisch gesteuert und konsequent umgesetzt.
Hohe Ausgaben, schwache Ergebnisse
Trotz der höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitssystem in der EU liegt Deutschland bei der Lebenserwartung nur auf einem unterdurchschnittlichen Platz. Besonders alarmierend ist, dass jüngere Jahrgänge – insbesondere diejenigen, die nach 1975 geboren wurden – häufiger von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen sind als die Generation davor. Deutschland verwaltet Krankheit, anstatt Gesundheit zu ermöglichen. Vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel verursachen einen Großteil der Krankheitslast sowie enorme volkswirtschaftliche Kosten. Dennoch setzt die Politik bislang überwiegend auf freiwillige Maßnahmen, die nur begrenzt wirken.
Wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig – politisches Handeln bleibt aus
In internationalen Vergleichen fällt Deutschland zurück. So stuft der Nanny State Index (Bevormundungsindex) des Institute of Economic Affairs Deutschland seit Jahren als das EU-Land mit der geringsten staatlichen Regulierung von gesundheitsschädlichen Industrien ein. Deutschland belegt regelmäßig den letzten Platz, was die Freiheit beim Konsum von Alkohol, Tabak, E-Zigaretten und Lebensmitteln betrifft. Diese Einschätzung wird durch die Ergebnisse des jüngsten »Public Health Index« des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums bestätigt. Aktuelle wissenschaftliche Befunde unterstreichen den Handlungsdruck. Erst kürzlich stellte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in einem Policy Brief klar, dass Adipositas keine individuelle Verhaltensschwäche ist. Sie entsteht unter gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und verlangt daher politische Maßnahmen.
In Sachen Alkoholpolitik liegt Deutschland auf den hintersten Rängen

In puncto Alkoholpolitik ist Deutschland eines der Schlusslichter in Europa. Niedrige Steuern, ständige Verfügbarkeit und allgegenwärtige Werbung machen Alkohol hierzulande besonders attraktiv. Wie sich der Konsum von Alkohol wirksam eindämmen lässt, zeigen Norwegen, Finnland, Schweden sowie Litauen.
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WHO-Empfehlungen liegen vor – Deutschland setzt sie nicht um
Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbindliche Strategien empfiehlt, setzt Deutschland weiterhin auf freiwillige Vereinbarungen. Dieser Ansatz hat sich bislang jedoch als weitgehend wirkungslos erwiesen. Die Allianz fordert insbesondere die systematische und konsequente Umsetzung der »Best Buys« der WHO, in denen Deutschland aktuell unzureichend handelt.
Die Allianz fordert deshalb einen klaren politischen Richtungswechsel und benennt drei zentrale Handlungsfelder:
- Prävention als staatliche Pflicht verankern: Gesundheitsschutz muss gesetzlich verbindlich geregelt und ressortübergreifend umgesetzt werden.
- Wirksame Unterstützung durch Regulierungen statt freiwilliger Selbstverpflichtungen: Die konsequente Umsetzung der WHO-»Best Buys« darf nicht länger aufgeschoben werden.
- Wissenschaft schneller in Politik überführen: Evidenzbasierte Erkenntnisse müssen zeitnah in verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen münden.
Ohne klare gesetzliche Leitplanken wird es keine nachhaltige Trendwende geben. Angesichts der demografischen Entwicklung, steigender Krankheitskosten, wachsender sozialer Ungleichheiten und einer stagnierenden Wirtschaft ist weiteres Zögern fahrlässig. Prävention darf kein optionales Zusatzangebot bleiben, denn sie ist ein zentraler Hebel für die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland.
Alkohol ist omnipräsent und so erschwinglich wie sonst nirgends in Europa.«
Dr. Oliver Huizinga, AOK

Vier von zehn Todesfällen in Deutschland sind auf Tabak, schlechte Ernährung, Alkohol und Bewegungsmangel zurückzuführen. Es ist millionenfach vermeidbares Leid und eine milliardenschwere Last für unsere Volkswirtschaft. Im Januar sind gute Vorsätze weit verbreitet. Es fällt vielen aber schwer, diese dauerhaft umzusetzen. Unsere Alltagsbedingungen erschweren es. Die Lebensmittelwerbung zeigt fast nur Ungesundes, die Kennzeichnung ist unverständlich. Alkohol ist omnipräsent und so erschwinglich wie sonst nirgends in Europa. Selbst Nikotin erlebt durch bunte Vapes mit süßen Aromen ein Comeback. Unsere Umgebungen beeinflussen uns stark. Die WHO sagt deshalb: ›Make the healthy choice the easier choice‹. Das muss zum Leitbild der Präventionspolitik werden.«
Oliver Huizinga, Abteilungsleiter Prävention, AOK-Bundesverband
Wir brauchen eine nationale Strategie für Prävention und Gesundheitsförderung, die diesen Namen verdient.«
Im Puls. Think Tank HerzKreislauf e. V.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit 40 Prozent aller Sterbefälle die Todesursache Nummer Eins in Deutschland. Wir können es uns gesellschaftlich und wirtschaftlich nicht länger leisten, nur ein Reparatursystem zu finanzieren. Prävention ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung für ein stabiles Gesundheitssystem. Nicht aus Fürsorge allein – sondern aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen, der Wirtschaftskraft unseres Landes und der gesellschaftlichen Stabilität. Wir brauchen eine nationale Strategie für Prävention und Gesundheitsförderung, die diesen Namen verdient.«
Dr. Martina Kloepfer und Udo Schauder, Vorstandsvorsitzende des Im Puls. Think Tank HerzKreislauf e. V.
