Drei Männer auf einer Bühne im Landtag NRW: Einer spricht in ein Mikrofon, die anderen hören zu. Im Hintergrund Banner des Fachausschusses Suchtselbsthilfe mit dem Motto 'Wir sind Vielfalt'.
Beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des FAS NRW diskutierten Björn Peterburs (JES NRW) und Ingo Häfner (Kreuzbund DV Essen) mit Moderator Bernd Hoeber unter anderem über persönliche Wege, Drogenhilfe und unterschiedliche Zugänge zu Unterstützung und Selbsthilfe. Foto: Ludolf Dahmen

Am 11. September haben rund 170 Gäste aus Suchtselbsthilfe, professioneller Suchthilfe, Politik und Gesundheitswesen im Landtag Nordrhein-Westfalen das 25-jährige Bestehen des Fachausschusses Suchtselbsthilfe (FAS NRW) gefeiert. Unter dem Motto »Brücken bauen für mehr Teilhabe und Akzeptanz« stand dabei nicht nur die Rückschau auf die vergangenen 25 Jahre im Mittelpunkt, sondern vor allem die zukünftige Rolle der Suchtselbsthilfe.

»Machen ist wie wollen – nur krasser«

Angelika Schels-Bernards, Vorsitzende des Arbeitsausschusses Drogen und Sucht der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW, brachte in ihrer Laudatio einen zentralen Gedanken des Jubiläums auf den Punkt: »Weg von der Vorstellung: Wir beteiligen die Suchtselbsthilfe, lassen sie partizipieren. Hin zu der Selbstverständlichkeit: Suchtselbsthilfe gestaltet Suchthilfe mit.«

Menschen mit Suchterkrankungen und ihre Angehörigen waren schließlich über lange Zeit vor allem diejenigen, über die gesprochen, für die geplant und für die entschieden wurde. Sie waren Adressat*innen professioneller Hilfe – aber sehr viel seltener Akteur*innen bei deren Gestaltung. Deshalb war und ist die Forderung nach Partizipation richtig und wichtig. Denn wenn wir sagen: ›Wir beteiligen Betroffene‹ oder lassen sie teilhaben, partizipieren, dann steckt darin immer noch ein Gefälle.«
Angelika Schels-Bernards
Porträt von Angelika Schels-Bernards.
Wer jemanden partizipieren lässt, verfügt offensichtlich auch über die Möglichkeit, es nicht zu tun. Das ist noch nicht Augenhöhe.«
Angelika Schels-Bernards

Der FAS NRW setzt sich dafür ein, dass Menschen mit eigener Suchterfahrung sowie deren Angehörige nicht nur gehört, sondern auch an der Weiterentwicklung des Hilfesystems beteiligt werden. Ihr Erfahrungswissen soll als eigenständige Perspektive in die Suchthilfe, die Politik und die gesellschaftlichen Debatten einfließen.

Das Podiumsgespräch mit Ingo Häfner vom Kreuzbund und Björn Peterburs von JES NRW zeigte, wie unterschiedlich Erfahrungen und Wege sein können. Im Mittelpunkt standen persönliche Wege aus der Sucht, Drogenkonsumräume und Drogenhilfe sowie die verschiedenen Zugänge zu Unterstützung und Selbsthilfe.

Eine Gruppe von sechs Personen steht um einen Stehtisch mit weißer Tischdecke in einem offiziellen Raum des Landtags Nordrhein-Westfalen. Ein Mann in einem blauen Sakko spricht und gestikuliert, während die anderen zuhören. Im Hintergrund sind Banner mit Logos und der Schriftzug 'Der Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen' zu sehen.
Der Sprecher*innenkreis des Fachausschusses Suchtselbsthilfe NRW mit Moderator Bernd Hoeber im Landtag Nordrhein-Westfalen. Von links: Norbert Wiegand, Karl Gerber, Karin Oerschkes, Carmen Laumann, Gerd Sinderhauf und Bernd Hoeber. Foto: Ludolf Dahmen

Auch der Sprecher*innenkreis des FAS NRW richtete den Blick auf die kommenden Jahre. Eine Zukunftsperspektive liegt in einer generations- und suchtformübergreifenden Suchtselbsthilfe, in der klassische Gruppenangebote und neue Recovery-Formen kein Gegensatz sind. Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Suchterfahrungen sollen voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen.

Porträt von Mika Döring.

Dazu lud Mika Döring, Vorsitzende des im ergangenen Jahr gegründeten Vereins »Recovery Deutschland«, zum Recovery Walk am folgenden Tag ans Rheinufer ein. Die Mission dieses Vereins ist es, Menschen zu stärken, die von einer Suchterkrankung genesen – also »in Recovery« sind. Er fördert positive Bilder von Genesung, bietet Vernetzungsmöglichkeiten für Menschen mit Suchtgeschichte und setzt sich für gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein, die ein selbstbestimmtes Leben in Recovery ermöglichen. Der zweite Recovery Walk in Deutschland steht unter dem Motto »Sucht – Genesung – Leben.«

Claudia Middendorf, die Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen, würdigte den FAS NRW als »unverzichtbaren Partner für das Land Nordrhein-Westfalen« und als wichtige Stütze für Menschen mit Suchterkrankungen und ihre Angehörigen.

Dr. Anna Larissa Tonn vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen bezeichnete das Jubiläum als »ein Vierteljahrhundert engagierter Arbeit für mehr Teilhabe und Akzeptanz von Menschen mit Suchterkrankung«.

Bernd Hoeber moderierte den Festakt. Volker Voigt hielt die zentralen Gedanken und Impulse des Nachmittags in einem Graphic Recording fest. Den musikalischen Abschluss gestaltete der Popchor Lebenshunger.

Auch etliche Guttempler*innen waren der Einladung in den Landtag gefolgt, darunter Gerd Sinderhauf und Ute in der Strodt vom Landesvorstand sowie die beiden ehemaligen Landesvorsitzenden Udo Sauermann und Dieter Eickers.

Zwei ältere Männer im Gespräch auf einer Veranstaltung: Ein Mann mit grauem Haar in kariertem Sakko und blauem Shirt hält eine Unterarmgehstütze und ein gefaltetes Blatt Papier; ein zweiter Mann mit weißem Haar, Brille, hellblauem Hemd und schwarzer Lederweste beugt sich zu ihm. Im Hintergrund weitere Gäste, ein Stehtisch mit Etagere und ein Banner mit der Aufschrift 'Blaues Kreuz'.
Schon bei der Gründung des FAS NRW dabei: Udo Sauermann, hier im Gespräch mit Dieter Eickers. Foto: Frank Lindemann

Quellen:

  • Pressemitteilung des FAS NRW
  • Fotos von Ludolf Dahmen und Frank Lindemann